Junioren-EM 2017 – Wettkampf zweiter Wahl
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NDM Lange Strecken Hannover 2017
21. Februar 2017
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Qualifizierungskonzepte 2017

Deutsche Meisterschaften im Schwimmen in Berlin.

Deutsche Meisterschaften im Schwimmen in Berlin.

Es braucht schon einen Taschenrechner und Sachverstand, um sich durch die (erneut) geänderten Qualifikationskriterien durchzuarbeiten. Da der neue „Olympia-Zyklus“ (2017 – 2020) dieses Jahr begann wurde so gut wie alles geändert. Unklar ist, ob daran auch für die nächsten Jahre festgehalten wird.
Es stehen noch die Wettkampfreihenfolgen und Wertungen der DJM und DM für 2017 aus; diese werden in den Ausschreibungen veröffentlicht.

Qualifikationszeiten

Wichtigste Kriterium sind die Qualifikationszeiten.
Diese Zeiten werden unterteilt in „Vorlauf-Zeiten“ (langsamer) und „Final-Zeiten“ (schneller als im Vorlauf). Wer beide Zeiten knackt, wird nominiert.
Die Qualifikationszeiten für die WM (offen) sind unterteilt in Alter 23 und älter und U23 (jünger als 23 Jahre; Jahrgang 1995). Staffelzeiten gibt es nicht. Auch werden die Qualifikationszeiten nur für das Olympische Programm veröffentlicht, obwohl bei allen diesjährigen int. Meisterschaften alle Strecken geschwommen werden. Die Qualifikationszeiten für Budapest 2017 wurden gegenüber den letzten Jahren erheblich anzogen. Ein Resultat könnte daher sein, dass das Team kleiner ausfällt.
Zum ersten Mal gibt es Qualifikationszeiten für die J-WM.

Bei den Qualifikationszeiten für WM (Offen, ab 23 Jahre) fällt auf, dass 9 Finalzeiten schneller sind als die aktuellen Deutschen Rekorde (DR). Wie gut, dass aktuelle Rekordhalter Damien Wierling (Jg 1996) und Alexandra Wenk (Jg 1995) in den Genuss der U23 Regelung fallen könnten. Hier sind die Qualifikationszeiten etwas langsamer.

Tabelle 1: Qualifikationszeiten 2017, die schneller als der DR sind

Männer
Deutscher RekordQualizeit FinaleU23 FinalzeitName DR
50 F 21,81 Sek.21,80 Sek.22,36 Sek.Damian Wierling
100 F 48,2448,23Marco di Carli
200 S 1:56,24 Min.1:56,03Michael Groß
Frauen
400 F 4:05,844:04,36Anke Möhring
100 B 1:07,011:06,73Sarah Poewe
200 B 2:25,332:22,87Birte Steven
100 R 59,7759,35Daniela Samulski
100 S 57,7057,5158,19Alexandra Wenk
200 L 2:11,332:10,872:12,74Alexandra Wenk

Dennoch sind Qualifikationszeiten nicht immer ausschlaggebend. Ein Blick nach Rio 2016 offenbart: Das Team (Beckenschwimmen) umfasste zwar 27 Sportler, davon waren aber nur 16 originäre Qualifikanten; 11 Sportler wurden nominiert, obwohl sie die Einzelnormen nicht erreichten.

Das EYOF ist der einzige Wettkampf, der keine Pflicht/Richtzeiten hat. Schon in den letzten Jahren war es nicht ganz einfach, durch den Qualimodus durchzusteigen. Vor 2 Jahren gab es sogar noch eine Qualistufe mehr, die sog. Longlist. Dort wurde der Sportler anhand der Ergebnisse der DM dort drauf gesetzt, die endgültige Nominierung erfolgte anhand der DJM. In 2017 wird zum Modus 2013 zurückgefunden; hier zählen nur die Ergebnisse der DJM 2017. Mitgenommen werden Sportler, die im Disziplinblock ganz vorne mitschwimmen. Da das Team auf 16 begrenzt sind es nicht immer eindeutig, warum gerade der eine Sportler mitfährt und der andere nicht. Hintergrund ist die Tatsache, dass alle Strecken belegt werden müssen. Vielseitigkeit zahlt sich auf. Der schnellste auf 50m Freistil zum Beispiel, der aber auf 100m und 200m Freistil nur unter „ferner“ liefen mitschwimmt, wird nicht mitfahren.

Tabelle 2: Qualifikationszeiten, WM 2017, offene Klasse

FrauenMänner
VorlaufFinaleStreckeFinaleVorlauf
00:24,8200:24,5350 F00:21,8000:22,10
00:54,5000:53,53100 F00:48,2300:48,58
01:57,7401:56,63200 F01:46,2301:47,15
04:04,36 **nein400 Fnein03:45,43 **
08:25,55800 Fneinnein
neinnein1500 F14:55,40 *
01:00,8900:59,35100 R00:53,3400:53,99
02:10,6802:08,84200 R01:56,3701:57,58
01:07,3201:06,73100 B00:59,4501:00,26
02:26,5802:22,87200 B’02:08,2002:11,26
00:58,1500:57,51100 S00:51,7300:52,08
02:09,2102:07,22200 S01:56,0301:56,72
02:13,0102:10,87200 L01:58,8501:59,77
04:36,54 **nein400 Lnein04:13,55

* einmaliger Zeitnachweis in entsprechendem Zeitlauf der DM 2017
** einmaliger Zeitnachweis in entsprechendem Vorlauf der DM 2017

Tabelle 3: Qualifikationszeiten, WM 2017, U23 (Jg 1995 und jünger)

FrauenMänner
VorlaufFinaleStreckeFinaleVorlauf
00:25,1800:25,0550 F00:22,3600:22,47
00:54,9000:54,63100 F00:48,6900:48,93
01:58,6801:58,09200 F01:47,1901:47,73
04:10,57 **nein400 Fnein03:48,15 **
08:38,56 *800 Fneinnein
neinnein1500 F15:12,79 *
01:00,6101:00,31100 R00:53,7900:54,06
02:11,5302:10,87200 R01:57,9601:58,55
01:07,5801:07,24100 B01:00,0501:00,35
02:25,9102:25,18200 B02:10,4502:11,11
00:58,4800:58,19100 S00:52,0300:52,29
02:09,7702:09,12200 S01:56,6901:57,28
02:13,4102:12,74200 L01:59,6202:00,22
04:43,06 **nein400 Lnein04:17,90 **

* einmaliger Zeitnachweis in entsprechendem Zeitlauf der DM 2017
** einmaliger Zeitnachweis in entsprechendem Vorlauf der DM 2017

Tabelle 4: Qualifikationszeiten, JEM 2017, Israel, Netanja, 28.6. – 2.7.

FrauenStreckeMänner
VorlaufFinale FinaleVorlauf
00:26,3400:25,8450 F00:22,7600:23,19
00:56,6400:55,48100 F00:49,9700:50,76
02:02,9502:01,71200 F01:50,5401:51,45
04:15,11 **nein400 Fnein03:54,39 **
08:44,00 *800 Fneinnein
neinnein1500 F15:25,76 *
01:11,5301:09,27100 B01:01,9901:03,55
02:33,2102:30,39200 B02:15,3402:17,93
01:03,0201:01,42100 R00:55,2400:56,13
02:15,2202:12:95200 R02:01,6102:03,06
01:00,7100:59,87100 S00:54,0200:54,65
02:17,3302:12,71200 S02:00,4102:01,93
02:17,4802:15,10200 L02:02,6702:04,16
04:47,01 **nein400 Lnein04:25,23 **

Tabelle 5: Qualifikationszeiten, J-WM 2017, USA, August 2017

FrauenStreckeMänner
VorlaufFinale FinaleVorlauf
00:26,3400:25,8450 F00:22,7600:23,19
00:56,6400:55,48100 F00:49,9700:50,76
02:02,9502:01,71200 F01:50,5401:51,45
04:15,11 **nein400 Fnein03:54,39 **
08:44,00 *800 Fneinnein
neinnein1500 F15:25,76 *
01:11,5301:09,27100 B01:01,9901:03,55
02:33,2102:30,39200 B02:15,3402:17,93
01:03,0201:01,42100 R00:55,2400:56,13
02:15,2202:12:95200 R02:01,6102:03,06
01:00,7100:59,87100 S00:54,0200:54,65
02:17,3302:12,71200 S02:00,4102:01,93
02:17,4802:15,10200 L02:02,6702:04,16
04:47,01 **nein400 Lnein04:25,23 **

Qualifikationsmöglichkeiten

Neben den Zeiten als Kriterium stehen die Jahrgänge unter Beobachtung. Nicht jeder Jahrgang kann sich für jede int. Meisterschaft qualifizieren. Man muss schon genau hinschauen, wer wo teilnehmen darf. Hinzu kommt, dass es nur eine Meisterschaft geben kann, wofür sich ein Sportler qualifizieren kann. Wer am Ende entscheidet, wer wo teilnehmen darf und warum, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich.

Tabelle 6: Int. Meisterschaften und Qualifikationsmöglichkeiten deutscher Sportler

EventDatumMax. PlätzeQuali viaJahrgänge
J-EM28.6. – 2.7.16DJM 2017Frauen 2000, 2001, 2002, 2003

Männer 1999, 2000, 2001, 2002

EYOF23. – 30.7.16DJM 2017Frauen 2002, 2003

Männer 2001, 2002

WM (offen)23. – 30.7.unbestimmtDM 2017für alle
J-WM23. – 28.8.30DJM 2017Frauen 2000, 2001, 2002, 2003

Männer 1999, 2000, 2001, 2002

Kurzbahn-EM13. – 17.12.unbestimmtDM 2017für alle

Qualifikationskriterien 2012 – 2017

Wie sah es in der Vergangenheit mit den Qualifikationskriterien aus? Ein Grund für die Veränderung dieses Jahr ist z. B. der Termin für die Deutsche Meisterschaft. Da diese 4 Wochen vor der WM in Budapest stattfindet kann zwischen der DM und der WM nicht noch ein Überprüfungswettkampf eingeschoben werden. Fanden die DM in den letzten Jahren im April oder Mai statt, so wurde dieser Wettkampf für die J-EM und die EYOF als erste Qualifikationshürde mit einbezogen. Das fällt 2017 weg. Folgende Tabelle zeigt eine vereinfachte Übersicht über die letzten Jahren. Vereinfachungen mussten vorgenommen werden, weil die Regularien viele Unterpunkte und „denn und wenn‘s“ hatten, auf die hier nicht eingegangen werden kann.

Tabelle 7: Qualifikationskriterien 2012 – 2017 (vereinfacht)

JahrEventQuali 1Quali 2
für offene Klasse
2012für OlympiaDM
2013für WMDM
2014für EMDMSparkassen Challenge
2015für WMDM (Longlist)German Open
2016für OlympiaDMGerman Open
2017für WMDM
für Junioren-EM
2013PolenDMDJM
2014NiederlandeDMDJM
2015BakuDM
2016UngarnDMDJM
2017IsraelDJM (VL, Finale)
für Junioren-WM
2013DubaiJ-EM Einzelmediallen 2012, 2013; EYOF Sieger 1997 (m)
2015SingapurJ-EM 2015 Einzelmediallen
2017USADJM (VL, Finale)
für EYOF
2013NiederlandeDM (Longlist)DJM
2015GeorgienDM (Longlist)DJM
2017UngarnDJM

 

Gegenseitiger Ausschluss

Neu in 2017 ist, dass Sportler nicht mehr an mehreren internationalen Meisterschaften teilnehmen dürfen. Abgeleitetes Ziel der Nominierungsrichtlinien könnte es sein, dass Sportler sich nur für einen Jahreshöhepunkt qualifizieren sollen und können.

Tabelle 8: Wer darf nicht an Wettkämpfen teilnehmen

EventDatumAusschluss
J-EM28.6. – 2.7.nicht J-WM und EYOF
EYOF23. – 30.7.nicht J-EM, J-WM
WM (offen)23. – 30.7.nicht J-WM, J-EM, EYOF
J-WM23. – 28.8.nicht J-EM, EYOF
Kurzbahn-EM13. – 17.12.keiner

Pflichttermine

Die Nominierten sind verpflichtet, an sog. „Pre-Camps“, d. h. Trainingslager im Vorfeld, teilzunehmen. Die Verpflichtung zur Teilnahme am Weltcup in Berlin ist neu.

Tabelle 9: verpflichtende Trainingslager vor den int. Meisterschaften

EventDatum „Pre-Camp“Ort
J-EMUnbekannt, aber nach DJMHeidelberg (?)
EYOF3. – 16.7.unbekannt
WM (offen)3.7. – 18.7.unbekannt
Weltcup (Berlin)31.7. – 4.8.Hamburg
J-WM5. – 22.8.unbekannt
Kurzbahn-EMunbekanntunbekannt

Alte Zöpfe abgeschnitten

Folgende Änderungen ergeben sich gegenüber den letzten Jahren:
German Open: gibt es nicht mehr; sie fanden von 2015 bis 2016 als zweite Qualifikationsstufe für internationale Meisterschaften statt.
EYOF: Änderung der Frauenjahrgänge. 2017 wären die Jahrgänge der Frauen 2003, 2004 dran gewesen. Sind sie aber nicht. Stattdessen darf Jahrgang 2002 noch einmal starten, so wie 2015. Bei den Männern wurde der Modus beibehalten. Das EYOF ist der einzige Wettkampf, wo es keine Richtzeiten für die Sportler gibt. Wer zur EYOF fährt, darf nicht zur J-EM oder J-WM.
JEM: Reduzierungen der Teilnehmer für Deutschland auf 16. Richtzeiten wurden zu Qualifikationszeiten mit Vorläufen und Finals. Bisher gab es nur eine Richtzeit, die im Finale geschwommen werden musste. Die Qualifikationszeiten sind identisch mit der J-WM.
J-WM: Aufstockung des Teams auf 30 Sportler; erstmals Qualifikationszeiten. Bisher wurde anhand der Ergebnisse der J-EM die Nominierung für die J-WM (alle 2 Jahre) vorgenommen.
WM (Offen): seit 2014 nur noch eine Qualifikationsmöglichkeit. Einführung 2017 der U23 Qualifikationszeiten. Die Starter zur WM (Offen) sind verpflichtet, beim Weltcup in Berlin zu starten. Dies wurde noch nie explizit erwähnt, aber in der Vergangenheit von den Sportlern erwartet.
Kurzbahn-EM: Nominierung anhand der WM (Offen). Wer zur WM fährt hat gute Chancen, auch bei der Kurzbahn-EM dabei zu sein. Bisher wurden die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften im November als Qualifikation herangezogen. Damit gibt es auch keine Qualifikationszeiten für die Kurzbahn-EM 2017 in Dänemark.

Tabelle 10: Teilnehmer Deutschlands an der J-EM und J-WM der letzten Jahre

EventMannschaftsgröße
J-EM 201426 Teilnehmer
J-EM 201530 Teilnehmer
J-EM 201631 Teilnehmer
J-EM 2017max. 16
J-WM 201511 Teilnehmer
J-WM 2017max. 30

Weitere Bausteine zur Nominierung

Neben den sportlichen Kriterien gibt es noch weitere Anforderungen, die ein Sportler und die Eltern (bei Minderjährigen) berücksichtigen müssen.
Deutsch: nur Sportler mit deutscher Staatsbürgerschaft werde nominiert.
NADA: nur Sportler, die für das Jahr 2017 in das Anti-Doping Kontrollsystem der NADA eingebunden sind, werden nominiert. Datenschutzerklärung und Schiedsvereinbarungen müssen unterschrieben werden.
Damit ist auch klar, dass es eine Abwahl von Kriterien durch die Sportler und Eltern (bei minderjährigen Sportlern) nicht geben kann. Entweder wird z. B. die „Datenschutzerklärung“ anerkannt oder nicht. Teilannahmen gibt es nicht. Der bürokratische Aufwand wird sich spätestens ab Mai 2018 erhöhen. Dann wird die neue Regelung „Datenschutz-Grundverordnung“ in Kraft treten. Das Bundesdatenschutzgesetz wird abgelöst, die neue DSGVO wird alles verändern; alle Verträge müssen angepasst werden.

Offen geblieben sind die Nachrücker, vor allem für Wettkämpfe, die erst in mehreren Monaten nach der Qualifikation stattfinden. So findet die J-WM erst 3 Monate nach der DJM statt. Auch die Kurzbahn-EM findet ca. 5 Monate nach den DM statt. Was passiert, wenn qualifizierte Sportler zu den Wettkämpfen nicht fit sind? Oder ein anderer Sportler eine positive Entwicklung nahm, der bisher nicht berücksichtigt wurde?

Das Verhältnis J-EM zu J-WM wird nicht erwähnt. Wer darf wo teilnehmen? Werden die schnellsten Sportler zur J-WM mitgenommen, die B-Auswahl zur J-EM? Werden überhaupt so viele Sportler die Qualifikationszeiten schaffen? Spätestens im Dezember 2017 kann ein Resümee gezogen werden.